Jahreszahlen 2017: Seepiraterie erreicht 22-Jahres-Tief

10.01.2018

Laut einem heute veröffentlichten Bericht des Internationalen Schifffahrtsbüros (IMB) der Internationalen Handelskammer (ICC) wurden 2017 insgesamt 180 Fälle von Seepiraterie und bewaffneten Raubüberfällen auf Schiffe registriert. Dies ist die niedrigste Jahreszahl seit 1995, als das IMB 188 Überfälle verzeichnete.

Insgesamt enterten Piraten im vergangenen Jahr 136 Schiffe, beschossen 16 und entführten sechs Schiffe. In 22 Fällen konnte der Angriff erfolgreich abgewehrt werden.

Bei 15 dieser Angriffe wurden insgesamt 91 Besatzungsmitglieder als Geisel genommen und bei 13 weiteren Vorfällen 75 Seeleute von ihren Schiffen entführt. 2017 wurden drei Besatzungsmitglieder getötet und sechs von ihnen verletzt.

Anhaltende Gefahr im Golf von Guinea
Im Jahr 2017 gab es aus und um die nigerianischen Gewässer 36 gemeldete Vorfälle ohne Schiffsentführungen sowie zehn Entführungsvorfälle mit insgesamt 65 Besatzungsmitgliedern. Von den weltweit 16 beschossenen Schiffe wurden alleine sieben im Golf von Guinea registriert.

„Obwohl die Anzahl der Angriffe in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr gesunken ist, bleiben der Golf von Guinea und die Gewässer um Nigeria eine Bedrohung für die Seeleute. Die nigerianischen Behörden haben in eine Reihe von Vorfällen eingegriffen und dabei geholfen, eine Eskalation zu verhindern“, sagt Pottengal Mukundan, Direktor des IBM.

Verurteilung somalischer Piraten
2016 gab es vor Somalia zwei Angriffe, 2017 wurden aus diesen Gewässern neun Vorfälle verzeichnet. Im November wurde etwa 280 Seemeilen östlich von Mogadischu ein Containerschiff von bewaffneten Piraten angegriffen. Wegen eines Ausweichmanövers des Schiffes waren die Piraten nicht in der Lage, an Bord zu gelangen und feuerten vor ihrem Rückzug zwei RPG-Raketen ab, die beide fehlschlugen.

Sechs somalische Piraten wurden von der Seestreitmacht der Europäischen Union inhaftiert, auf die Seychellen überführt und wegen „Begehen von Piraterie“ angeklagt, wo ihnen im Fall einer Verurteilung eine Haftstrafe von bis zu 30 Jahren droht.

„Neben unseren Zahlen für 2017 zeigt dieser dramatische Vorfall, dass somalische Piraten die Kapazität und Absicht haben, Angriffe auf Handelsschiffe Hunderte von Meilen vor ihrer Küste zu initiieren“, sagt Mr. Mukundan.

Gemischte Ergebnisse in Südostasien
In Indonesien wurden im Jahr 2017 43 Vorfälle registriert, im Vergleich dazu 49 im Jahr 2016. Der IMB-Bericht stellt fest, dass die Patrouillen der indonesischen Marinepolizei weiterhin zur Sicherheit von zehn ausgewählten Ankerplätzen des Landes beitragen.

Dahingegen hat sich auf den Philippinen die Zahl der gemeldeten Vorfälle mehr als verdoppelt (10 in 2016 zu 22 in 2017). Dem Bericht zufolge handelte es sich bei der Großzahl der gemeldeten Vorfälle um kleinere Überfälle, hauptsächlich an den Häfen von Manila und der Provinz Batangas. Im ersten Quartal 2017 wurden Schiffe auf ihren Weg zu den Südphilippinen geentert und die Besatzung entführt. Allerdings haben die verbreiteten Warnungen des IMB Piracy Reporting Center (PRC) im Auftrag der philippinischen Behörden seitdem dazu beigetragen, weitere erfolgreiche Angriffe zu verhindern.

Das  1991 gegründete Piracy Reporting Centre (PRC) des International Maritime Bureau (IMB) ist 24 Stunden am Tag erreichbar und stellt der Schifffahrtsindustrie, den Regierungen und  Behörden zeitnahe und transparente Daten über bewaffnete Raubüberfälle zur Verfügung, die ihr von Kapitäne und Reeder direkt gemeldet werden.

Alle Angriffe sind auch auf der IMB Piracy Live Map vermerkt: https://www.icc-ccs.org/piracy-reporting-centre/live-piracy-map

Weitere Informationen:

Pottengal Mukundan
Director, IMB
Tel: +44 20 7423 6960
Email: pmukundan@icc-ccs.org

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