Weltweite Seepirateriezahlen Q3 2017

17.10.2017

London/Berlin - Laut dem heute veröffentlichten Quartalsbericht des International Maritime Bureau (IMB), einer Unterorganisation der Internationalen Handelskammer (ICC), kam es in den ersten neun Monaten des Jahres 2017 zu 121 registrierten Fällen von Piraterie.

Obwohl der Bericht feststellt, dass die Zahl der Vorfälle im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesunken ist, gibt es anhaltende Besorgnis über Angriffe im Golf von Guinea/Westafrika und in Südostasien. Die Zunahme von Angriffen gegen Schiffe vor der Küste Venezuelas und anderer Sicherheitsvorfälle vor Libyen, einschließlich einer versuchten Enterung im letzten Quartal, unterstreicht die Notwendigkeit von Wachsamkeit auch in anderen Regionen.

Insgesamt wurden 92 Schiffe von Piraten geentert, auf 13 Schiffe wurde geschossen, zudem gab es 11 abgewehrte Angriffe und fünf Schiffe wurden in den ersten neun Monaten des Jahres 2017 entführt.

Aus den Gewässern vor Somalia wurden in diesem Quartal keine Zwischenfälle gemeldet, obwohl die erfolgreichen Angriffe von Anfang des Jahres darauf hindeuteten, dass Piraten in der Region die Kapazität haben, um die Handelsschifffahrt auch weiter entfernt von der Küste zu bedrohen.

Es folgen vier Schwerpunkte aus dem Bericht:

  1. Erfolgsgeschichte aus Malaysia
    Ein Schiff wurde im dritten Quartal 2017 entführt, als ein thailändischer Produktentanker Anfang September vor Malaysia angegriffen wurde. Dank der schnellen Intervention der malaysischen Maritime Enforcement Agency wurden zehn Entführer erfolgreich festgenommen und der Tanker konnte sicher zu einem nahe gelegenen Hafen eskortiert werden. Die Piraten wurden zügig angeklagt und zu Haftstrafen verurteilt. "Die malaysische Reaktion zeigt genau die Art von schnellem und robustem Handeln, die nötig ist, um solche Angriffe zu verhindern", sagt Pottengal Mukundan, Direktor des IMB.
     
  2. Nigeria bleibt riskant
    Insgesamt gingen 20 Meldungen von Piraterie aus Nigeria ein: Diese richteten sich gegen alle Schiffstypen, davon 16 vor der Küste von Brass, Bonny und Bayelsa. Waffen wurden nach Berichten bei 18 der insgesamt 20 Vorfälle benutzt. 39 der 49 weltweiten Entführungen von Crewmitgliedern wurden aus Nigeria gemeldet. Die Entführungen der insgesamt 39 Seeleute erfolgten in sieben verschiedenen Vorfällen in nigerianischen Gewässern. Andere Fälle von Entführungen im Jahr 2017 wurden 60 nautische Meilen vor der Küste Nigerias erfasst.

    "Generell bleiben alle Gewässer in und vor Nigeria risikoreich - trotz des Einsatzes der nigerianischen Marine. Wir raten den Schiffen zu Wachsamkeit ", sagt Captain Mukundan. "Die Anzahl der Angriffe im Golf von Guinea könnte sogar noch höher sein als die uns vorliegenden Zahlen, da viele Vorfälle weiterhin nicht gemeldet werden."

  3. Zunahme der Gewalt vor Venezuela
    Während in Venezuela im Vorjahreszeitraum (2016) nur drei weniger schwere Vorfälle registriert wurden, hat sich diese Zahl auf elf in diesem Jahr erhöht. Alle betroffenen Schiffe wurden meist sogar noch am Ankerplatz von mit Messern und Schusswaffen ausgerüsteten Räubern geentert. Vier Crewmitglieder wurden während dieser Vorfälle als Geiseln genommen, zwei von ihnen wurden angegriffen und einer verletzt.

  4. Bekämpfung von Piraterie ist eine Teamleistung
    Die vielleicht größte Erkenntnis des Quartalsberichts ist die erwiesene Bedeutung des 24-Stunden bemannten IMB Piracy Reporting Centre (PRC), welches Regierungen und die betroffene Industrie zeitnah und mit transparenten Informationen zu Piraterie-Vorfällen, direkt gemeldet von den Schiffseigner oder den jeweiligen Marinen, versorgt.

    Die schnelle Kontaktaufnahme des PRC mit Nachrichtenagenturen mit den kostenlosen Inmarsat Safety Net Services und den E-Mail Alerts helfen dabei, schnell auf Piraterie-Überfälle zu reagieren und das Leben der Seefahrer damit sicherer zu machen.

    "Eine der stärksten Waffen im Kampf gegen Piraterie sind akkurate Statistiken", sagt Captain Mukundan. "Es sollte einen freien und gegenseitigen Informationsaustausch zwischen dem IMB PRC und regionalen Informationszentren geben. Mit einem klareren Überblick, wann und wo gewalttätige Zwischenfälle auf See stattfinden, können Behörden ihre Ressourcen besser und gezielter einsetzen, um dieses globale Problem anzugehen."


Zum IMB

Das Piracy Reporting Centre (PRC) des International Maritime Bureau (IMB) ist zurzeit die einzige unabhängige Anlaufstelle, welche 24 Stunden am Tag erreichbar ist und Berichte über Piraterie entgegen nimmt. Aus diesem Grunde bittet das IMB alle Kapitäne und Reeder, weiterhin sämtliche Angriffe auf ihre Schiffe an das PRC weiterzuleiten. Dies ist der erste Schritt, um sicherzugehen, dass adäquate Ressourcen für den Kampf gegen Seepiraterie bereitgestellt werden.

Um eine PDF-Version des Reports per E-Mail zu erhalten, klicken Sie bitte hier: https://www.icc-ccs.org/piracy-reporting-centre/request-piracy-report oder schreiben Sie uns eine Mail: katrin.rupprecht(at)iccgermany.de

Alle Angriffe sind auch auf der IMB Piracy Live Map vermerkt:
https://www.icc-ccs.org/piracy-reporting-centre/live-piracy-map
 
Weitere Informationen:
Pottengal Mukundan Director, IMB
Tel: +44 20 7423 6960
Email: pmukundan@icc-ccs.org


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