Bericht COP25

20.12.2019

“My message to you is this: We need your decisions. We need your leadership. We are out of time.” Patricia Espinosa, Generalsekretärin der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen. Die längste Sitzung in der Geschichte der UN-Klimarahmenkonvention ist vorbei und die Zeit hat nicht ausgereicht. Zwei ganze Tage länger als geplant zog sich die Klimakonferenz in Madrid, welche weltweit mit großer Spannung verfolgt wurde. Am Ende des Sitzungsmarathons wurden zu den wichtigsten Fragen keine Entschlüsse gefasst, frei nach dem inoffiziellen Motto: „Better no deal than a bad deal“.

Immerhin wurden die wissenschaftlichen Erkenntnisse und die bereits existierenden gravierenden Folgen des Klimawandels von allen Parteien weitgehend anerkannt. Das Abschlussdokument benannte als Prioritäten Ehrgeiz, wissenschaftsbasiertes Handeln und drängenden Handlungsbedarf, um global die Erderwärmung auf 2 Grad zu begrenzen.

Ein zentrales Thema bei den Verhandlungen war der sog. Artikel 6, der das Grundgerüst für einen Kohlenstoffmarkt innerhalb des Pariser Abkommens regelt. Schon bei der Frage, ob CO2-Zertifikate aus dem Kyoto-Protokoll in das Pariser Abkommen übertragen werden können, spalteten sich die Positionen. Während die meisten Staaten für die Löschung der alten CO2-Zertifikate plädierten, bestand Australien auf eine Übertragung und hat verhinderte damit den zu einem Beschluss nötigen Konsens. Zu den Regeln des neuen Mechanismus gab es folglich auch keine Einigung. "Wir sind enttäuscht, dass es den Verhandlungsführern trotz enormer Anstrengungen nicht gelungen ist, einen Konsens zu den Marktmechanismen zu finden. Gerade für die Wirtschaft ist ein festes Regelwerk zu Fragen wie CO2-Bepreisung und Transparenz wichtig, um langfristige Unternehmensinvestitionen zu tätigen. Viele deutsche und globale Unternehmen haben sich bereits dazu bekannt, sogar bis 2030 eine Kohlenstoffneutralität zu erreichen", sagte Oliver Wieck, Generalsekretär von ICC Germany.

Allerdings kam es zu einem Bündnis von 31 Staaten, dessen Ziel die sogenannten San José Prinzipien ist. Dabei handelt es sich um 11 Grundsätze für einen fairen und transparenten Kohlenstoffhandel. Und 84 Staaten stimmten einer Allianz für Klimaambitionen zu, dessen Ziel es ist, die Klimaschutzziele der beteiligten Staaten im nächsten Jahr zu erhöhen.

Die Wirtschaft präsentierte mit der Chambers Climate Coalition eine Initiative von 786 Unternehmen, 16 Investoren und 2100 Unterzeichnern, die sich zur Klimaneutralität bis 2050 verpflichten. "Wir haben keine Zeit, um auf Entscheidungen der Politiker zu warten", so der Unternehmer und so genannte High Level Champion Gonzalo Muñoz aus dem Gastgeberland Chile. "Die Wirtschaft auf der COP und auf der ganzen Welt ruft zum Handeln, und zwar sofort!". 

Global tätige Unternehmen, unter ihnen auch Mitglieder von ICC Germany, zeigten anhand von konkreten Initiativen und Projekten, welche Beiträge die Wirtschaft gegen den Klimawandel leistet. Hier eine Übersicht zu den Veranstaltungen, die gemeinsam mit BDI und Econsense durchgeführt wurden.

Während der zentrale Entscheidungsprozess nur schleichend vorankam, war die Stimmung außerhalb der UN-Sitzungsräume von hoher Erwartung und Anspannung geprägt. Die Europäische Union gab dabei mit ihrem neuen "Green Deal" die Richtung vor. Die Klimagemeinschaft sprach von der EU als "Vorreiter" und es gab Stimmen aus anderen Ländern, die dem Beispiel folgen und eigene Maßnahmen einführen wollen, um eine Klimaneutralität zu erreichen.

ICC-Generalsekretär John Denton präsentierte anlässlich der COP zehn Vorschläge zu Sustainable Finance und mahnte bei den Finanzministern der Nationalstaaten die Verständigung auf internationale Lösungen an. Die Finanzierung des Wandels hinzu zu einer Klimaneutralität sei ein entscheidender Faktor.

Über 50 Staaten verabschiedeten in Madrid den Santiago Action Plan, der die Integration von Klimaaspekten in den Mainstream der Wirtschaftspolitik der beteiligten Länder zum Ziel hat. Internationale Banken bieten bereits grüne Anleihen an und investieren Millionen in die Kohlenstoffsenkung und Wiederaufforstungsprojekte: Die Europäische Investitionsbank gab bekannt, Investitionen in fossile Energieträger ab Ende 2021 einzustellen. 

Die Europäische Kommission veröffentlichte kurz nach der Konferenz u.a. ihre Klassifizierung (Taxonomie) nachhaltiger Kapitalanlagen und sendete damit ein weiteres wichtiges Signal der EU zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums.

Die Hoffnungen ruhen jetzt auf der nächsten COP im November 2020 in Glasgow. ICC Germany wird die für die Wirtschaft wichtigen Regeln zur CO2-Bepreisung und die Rahmenbedingungen für langfristige Investitionen auf der PreCOP 26-Veranstaltung aufgreifen. 

Ansprechpartner

Regina Karakina

Fon: +49 (0) 30 - 200 7363 40

Regina.Karakina@iccgermany.de

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