ICC-Deklaration zur 100 Jahr-Feier

06.06.2019

Die Internationale Handelskammer (ICC) feiert in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag. Anlässlich der Auftaktveranstaltung der Feierlichkeiten in Paris hat die ICC eine Deklaration veröffentlicht. Sie präsentiert damit eine Vision für die Gestaltung der globalen Wirtschaft für das nächste Jahrhundert.

  1. Anlässlich des hundertjährigen Bestehens der Internationalen Handelskammer (ICC) bekräftigen wir – Unternehmer aus der ganzen Welt – mit dieser Erklärung die grundlegenden Prinzipien der ICC für das 21. Jahrhundert.

  2. Seit der Gründung der ICC 1919 nach dem Ersten Weltkrieg durch eine visionäre Gruppe von Industriellen, den sog. „Merchants of Peace", ist der zentrale Grundsatz der Organisation, dass offener Handel und grenzüberschreitende Investitionen Wohlstand und Frieden zwischen den Nationen fördern.

  3. Wir sind stolz auf die vielen Beiträge der ICC zur Unterstützung eines regelbasierten, globalen Handelssystems, mit dem das Wirtschaftswachstum beschleunigt, verbesserte Lebenschancen für Millionen von Menschen geschaffen und friedliche internationale Beziehungen unterstützt wurden.

  4. Für die ICC, die weltweit 45 Millionen Unternehmen mit mehr als 1,2 Milliarden Arbeitnehmern vertritt, ist die ursprüngliche Gründungsidee heute wichtiger als jemals zuvor. Angesichts der enormen globalen Herausforderungen nutzen wir das einzigartige Mandat der ICC, um Lösungen für die Zukunft voranzutreiben.

  5. Tatsache ist aber auch, dass die erheblichen Verbesserungen des letzten Jahrhunderts in der Wirtschaft, im Gesundheitsbereich, bei der Bildung und der Lebenserwartung zu unbeabsichtigten Folgen geführt haben - von der zunehmenden globalen Ungleichheit über die negativen Auswirkungen des Klimawandels bis hin zu den Ängsten der Menschen vor den Folgen des technologischen Wandels.

  6. Ohne umfassende Investitionen in eine nachhaltige Infrastruktur und in die Ernährungssysteme wird eine Weltbevölkerung mit steigender Lebenserwartung  zunehmend die Ressourcen der Erde belasten.

  7. Technologie und Automatisierung werden neue Möglichkeiten schaffen und haben nahezu grenzenloses Potenzial, die meisten Aspekte unseres Lebens zu verbessern; gleichzeitig besteht die Sorge, dass viele der heutigen Tätigkeiten überflüssig werden und damit die gegenwärtigen Rahmenbedingungen in Frage gestellt werden.

  8. Die weltweite Urbanisierung, der Aufstieg von Millionen von Menschen in die globale Mittelschicht und die sich dadurch verändernden Konsumgewohnheiten erhöhen den Druck auf die natürlichen Lebensräume und gefährden die biologische Vielfalt.

  9. Obwohl die Disruptionen in den kommenden Jahren zunehmen werden, kann sich die globale Führungselite auf keine gemeinsamen Maßnahmen einigen, um die negativen Folgen abzumildern und abgestimmte  Lösungen voranzubringen.

  10. Erfreulicherweise ist die globale Wirtschaft heute besser informiert und gerüstet als je zuvor, um bei der Bewältigung dieser Herausforderungen zu helfen, Lösungen zu entwickeln und gemeinsam eine bessere Zukunft für die Gesellschaft zu ermöglichen. Ob groß oder klein, Unternehmen haben heute die Möglichkeit, neue, glaubwürdige Bindungen zu den jeweiligen Gesellschaften zu entwickeln, die ihr das eigene Wachstum ermöglicht haben.

  11. Inspiriert von ihrer Gründungsidee verpflichtet sich die ICC, alle ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten dafür zu nutzen, um die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu bewältigen.

  12. Wir setzen uns dafür ein, dass das globale Handelssystem erhalten bleibt und modernisiert wird. Wir unterstützen Regierungen, die den freien Handel mit Waren, Dienstleistungen und Daten in Entwicklungs- und Industrieländern sicherstellen wollen. Um den Handel inklusiver zu gestalten, unterstützen wir Regierungen, die Kleinst- und Kleinunternehmen fördern und das große Potential digitalen Technologien nutzen wollen, um weltweit Barrieren im globalen Handel abzubauen.

  13. Als ständiger Beobachter der Vereinten Nationen und überzeugter Verfechter des Multilateralismus sind wir überzeugt, dass das derzeitige internationale System grundlegend erneuert werden muss. Wir unterstützen alle Reformen, die unsere zwischenstaatlichen Organisationen dazu in die Lage versetzen.

  14. Wir ermöglichen eine innovative Erneuerung unseres weltweit anerkannten Schiedssystems mit dem Ziel, Unternehmen und anderen Akteuren effiziente Instrumente zur alternativen Streitbeilegung anzubieten, die die Abwicklung internationaler Geschäfte erleichtern.

  15. Wir sind uns bewusst, dass der Klimawandel eine der größten Probleme unserer Zeit ist. Wir unterstützen die Aufforderung des Weltklimarates IPCC, den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Über unser globales Netzwerk unterstützen wir wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, die den Beitrag der Wirtschaft zur Erreichung dieses Ziels berücksichtigen und sie  dabei unterstützen, das darüber hinausgehende Ziel einer Netto-Klimaneutralität in vielen Ländern bis 2050 zu erreichen.

  16. Wir anerkennen, dass eine langfristig orientierte nachhaltige Entwicklung und der Schutz der Umwelt nur durch eine tiefgreifende wirtschaftliche Transformation und signifikante Veränderungen an den Finanzmärkten erreicht werden können. Wir unterstützen das Entstehen neuer Wirtschaftsbereiche, die dieser Wandel schaffen wird, und die Millionen von neuen Arbeitsplätze, die weltweit in diesen Sektoren entstehen werden.

  17. Weil viele Geschäftsmodelle durch zunehmende digitale Disruptionen gefährdet sind, erodiert das Vertrauen in eine transparente und verantwortungsvolle Nutzung digitaler Angebote. Um die Vorteile der digitalen Wirtschaft auszubauen, werden wir Regierungen dabei unterstützen, neue Global Governance-Modelle zu entwickeln, die zu einem dynamischen und standardisierten digitalen Ökosystem beitragen und eine menschenzentrierte Entwicklung neuer Technologien, wie z.B. künstliche Intelligenz, fördern.

  18. Es ist offensichtlich, dass im 21. Jahrhundert das marktwirtschaftliche System auch diese Veränderungen ermöglichen muss. Wir werden den Privatsektor dabei unterstützen, den Forderungen der Aktionäre, Regierungen und der Öffentlichkeit nach einer integrativen und verantwortungsvollen Marktwirtschaft gerecht zu werden.

  19. Wir verpflichten uns zu diesen ambitionierten Grundsätzen und sagen zu, partnerschaftlich mit gleichgesinnte Organisationen und Persönlichkeiten weltweit zusammenzuarbeiten. Wir tun dies, weil eine neue, aufgeklärte globale Führung erforderlich ist, geleitet von dem Glauben, dass eine gerechtere, sicherere, inklusivere und eine nachhaltigere Welt ein ergiebiges wirtschaftliches Fundament schafft.

  20. Wir sind stolz darauf, dass wir unser Ziel erneuern, die globale Wirtschaft in die Lage zu versetzen, Frieden, Wohlstand und Chancen für alle zu schaffen. Die ICC im 21. Jahrhundert wird Konventionen mit Beherztheit hinterfragen und - geleitet von den Überzeugungen unserer Gründer - mutig handeln. Wir hoffen, dass damit künftige Generationen über unsere heutigen Leistungen mit der gleichen Ehrfurcht sprechen werden, die wir unseren Vorgängern entgegenbringen.

Ansprechpartner

Dr. Katrin Rupprecht

Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Fon: +49 (0) 30 - 200 7363 20

katrin.rupprecht@iccgermany.de