Incoterms® 2020

Die ICC hat mit den Incoterms® 2020 eine neue Version des Regelwerks veröffentlicht. Hier bekommen Sie eine Übersicht den wichtigsten Neuerungen der Incoterms® 2020, die Möglichkeit das Buch oder E-Book zu bestellen oder Seminare zu buchen.

  • Die neuen Incoterms® 2020
  • Übersicht zu den Klauseln der Incoterms® 2020
  • Die Änderungen im Überblick
  • Häufige Fragen

Die neuen Incoterms® 2020

Die Incoterms®-Regeln sind global anwendbare Standards zu den Lieferbedingungen in internationalen Geschäften (International Commercial Terms). Sie regeln die Rechte und Pflichten von Käufer und Verkäufer rund um die Lieferung einer Ware: wann geht die Ware vom Verkäufer auf den Käufer über, wer trägt welche Transportkosten, wer übernimmt ab wann die Haftung für Verlust und Beschädigung der Ware und/oder die Versicherungskosten. Nicht geregelt wird durch die Incoterms®-Klauseln z.B. die Zahlungsbedingungen, der Eigentumsübergang einer Ware oder die Streitbeilegung. Die neue Version gilt ab dem 1. Januar 2020 und soll anstatt der Incoterms® 2010-Version verwendet werden.

Die Incoterms®-Klauseln sind weltweit anerkannt und werden auch tatsächlich in 90 Prozent aller internationalen Kaufverträge vereinbart. Mit der ersten Veröffentlichung des Incoterms®-Regelwerks im Jahre 1936 wurden erstmals global gültige Standards für die Lieferbedingungen bei internationalen Geschäften angeboten, die heute in über 120 Ländern anerkannt sind.

Neben diesem Überblick gibt es eine eigene ICC Germany-Seite zum Thema www.incoterms2020.de.

Die neue Auflage der Publikation „Incoterms® 2020 Kommentierung für die Praxis“ ermöglicht eine umfassende Auseinandersetzung mit konkreten Praxishinweisen und Beispielen zu Risiken und Chancen beim Einsatz der jeweiligen Klausel.

Übersicht zu den Klauseln der Incoterms® 2020

Dies stellt einen Auszug aus dem Regelwerk zu den Incoterms® 2020-Klauseln dar. Wenn die Incoterms®-Regeln in einen Vertrag einbezogen werden sollen, ist der Originaltext zu kennen und zu berücksichtigen.
Quelle: Incoterms® 2020-Publikation, Englisch-Deutsch, Copyright ICC 

EXW - Ab Werk//Ex Works

"Ab Werk" bedeutet, dass der Verkäufer liefert, wenn er die Ware dem Käufer an einem anderen benannten Lieferort (z. B. Fabrik oder Lager) zur Verfügung stellt. Dieser benannte Ort kann auch auf dem Gelände des Verkäufers liegen. Der Verkäufer muss die Ware weder auf ein abholendes Transportmittel verladen, noch muss er sie zur Ausfuhr freimachen, falls dies erforderlich sein sollte.

FCA - Frei Frachtführer//Free Carrier

"Frei Frachtführer" bedeutet, dass der Verkäufer die Ware dem Frachtführer oder einer anderen vom Käufer benannten Person beim Verkäufer oder an einem anderen benannten Ort liefert. Die Parteien sind gut beraten, die Stelle innerhalb des benannten Lieferortes so genau wie möglich zu bezeichnen, da an dieser Stelle die Gefahr auf den Käufer übergeht.

CPT - Frachtfrei//Carriage Paid To

"Frachtfrei" bedeutet, dass der Verkäufer die Ware dem Frachtführer oder einer anderen vom Verkäufer benannten Person an einem vereinbarten Ort (falls ein solcher Ort zwischen den Parteien vereinbart ist) liefert, und dass der Verkäufer den Beförderungsvertrag abzuschließen und die für die Beförderung der Ware bis zum benannten Bestimmungsort entstehenden Frachtkosten zu zahlen hat.   

CIP - Frachtfrei versichert//Carriage and Insurance Paid to

"Frachtfrei versichert" bedeutet, dass der Verkäufer die Ware dem Frachtführer oder einer anderen vom Verkäufer benannten Person an einem vereinbarten Ort (falls ein solcher Ort zwischen den Parteien vereinbart ist) liefert, und dass der Verkäufer den Beförderungsvertrag abzuschließen und die für die Beförderung der Ware bis zum benannten Bestimmungsort entstehenden Frachtkosten zu zahlen hat. Zudem verpflichtet sich der Verkäufer einen Transportversicherungsvertrag mit umfassendem Deckungsschutz (Institute Cargo Clause A) für die auf den Käufer übergehende Gefahr des Verlustes oder der Beschädigung der Ware während des Transports von der Lieferstelle mindestens bis zum Bestimmungsort abzuschließen.

DAP - Geliefert benannter Ort//Delivered at Place

"Geliefert benannter Ort" bedeutet, dass der Verkäufer liefert, wenn die Ware dem Käufer auf dem ankommenden Beförderungsmittel des Verkäufers entladebereit am benannten Bestimmungsort zur Verfügung gestellt wird. Der Verkäufer trägt alle Gefahren, die im Zusammenhang mit der Beförderung zum benannten Ort stehen.

DPU - Geliefert benanter Ort entladen//Delivered at Place Unloaded

"Geliefert benannter Ort entladen" bedeutet, dass der Verkäufer die Ware liefert, sobald die Ware von dem ankommenden Beförderungsmittel entladen wurde und an einem benannten Bestimmungsort zur Verfügung gestellt wird. Der Verkäufer trägt alle Gefahren, die im Zusammenhang mit der Beförderung der Ware zum und der Entladung am benannten Bestimmungsort entstehen.

DDP - Geliefert verzollt//Delivered Duty Paid

"Geliefert verzollt" bedeutet, dass der Verkäufer liefert, wenn er die zur Einfuhr freigemachte Ware dem Käufer auf dem ankommenden Beförderungsmittel entladebereit am benannten Bestimmungsort zur Verfügung stellt. Der Verkäufer trägt alle Kosten und Gefahren, die im Zusammenhang mit der Beförderung der Ware bis zum Bestimmungsort stehen und hat die Verpflichtung, die Ware nicht nur für die Ausfuhr, sondern auch für die Einfuhr freizumachen, alle Abgaben sowohl für die Aus- als auch für die Einfuhr zu zahlen sowie alle Zollformalitäten zu erledigen.

FAS - Frei Längsseite Schiff//Free Alongside Ship

"Frei Längsseite Schiff" bedeutet, dass der Verkäufer liefert, wenn die Ware längsseits des Schiffs (z. B. an einer Kaianlage oder auf einem Binnenschiff) im benannten Verschiffungshafen gebracht ist. Die Gefahr des Verlustes oder der Beschädigung der Ware geht über, wenn sich die Ware längsseits des Schiffs befindet. Der Käufer trägt ab diesem Zeitpunkt alle Kosten.

FOB - Frei an Bord//Free on Board

"Frei an Bord" bedeutet, dass der Verkäufer die Ware an Bord des vom Käufer benannten Schiffs im benannten Verschiffungshafen liefert oder die bereits so gelieferte Ware verschafft. Die Gefahr des Verlustes oder der Beschädigung der Ware geht über, wenn die Ware an Bord des Schiffs ist. Der Käufer trägt ab diesem Zeitpunkt alle Kosten. 

CFR - Kosten und Fracht//Cost and Freight

"Kosten und Fracht" bedeutet, dass der Verkäufer die Ware an Bord des Schiffs liefert oder die bereits so gelieferte Ware verschafft. Die Gefahr des Verlustes oder der Beschädigung der Ware geht über, wenn die Ware an Bord des Schiffs ist. Der Verkäufer hat den Beförderungsvertrag abzuschließen und die Kosten und Fracht zu tragen, die für die Beförderung der Ware zum benannten Bestimmungshafen erforderlich sind.

CIF - Kosten, Versicherung und Fracht//Cost, Insurance and Freight

"Kosten, Versicherung und Fracht" bedeutet, dass der Verkäufer die Ware an Bord des Schiffs liefert oder die bereits so gelieferte Ware verschafft. Die Gefahr des Verlustes oder der Beschädigung der Ware geht über, wenn die Ware an Bord des Schiffs ist. Der Verkäufer hat den Beförderungsvertrag abzuschließen sowie die Kosten und Fracht zu tragen, die für die Beförderung der Ware zum benannten Bestimmungshafen erforderlich sind. Zudem hat der Verkäufer auf eigene Kosten eine Transportversicherung abzuschließen, die zumindest der Mindestdeckung gemäß den Klauseln (C) der Institute Cargo Clauses (LMA/IUA) entspricht.

Die Änderungen im Überblick

Hier ein Übersichtsblatt zu den wichtigsten Änderungen.

Häufige Fragen/FAQs

Die häufigsten Fragen zu den Incoterms® 2020 finden Sie hier beantwortet.

  • Welche Änderungen gibt es im Incoterms® 2020-Regelwerk?

Die Incoterms® 2020 berücksichtigen geänderte Handelspraktiken, Neuerungen in der Finanzierung und beim Versicherungsschutz sowie gestiegene Sicherheitsanforderungen. Zudem ist die Nutzerfreundlichkeit des Regelwerks deutlich verbessert worden; detaillierte Einführungen zu den Klauseln, zusätzliche Illustrationen und Erläuterungen erleichtern den Anwendern die richtige Auswahl. 

  • Wie kamen die Änderungen im Incoterms® 2020-Regelwerk zustande?

Im Jahr 2016 bildete die ICC ein internationales Redaktionskomitee bestehend aus Fachleuten von Unternehmen, Verbänden, Industrie- und Handelskammern sowie im internationalen Handelsrecht spezialisierten Rechtsanwälten. Während des Überarbeitungsprozesses wertete dieses Komitee über 3000 Kommentare aus der Handelspraxis aus.

  • Wie viele Incoterms® 2020 Klauseln gibt es und welche Klausel eignet sich am besten für mein Liefergeschäft?

In der neusten Version der Incoterms® gibt es 11 Klauseln, die sich in vier Gruppen einteilen lassen. Innerhalb der Gruppen haben die Klauseln— in der englischen Version— den gleichen Anfangsbuchstaben. Die Pflichten des Verkäufers nehmen beginnend mit der E-Gruppe, über die F-, C- bis hin zur D-Gruppe zu, während umgekehrt die Pflichten des Käufers bis hin zur D-Gruppe abnehmen. Neben der Aufteilung der Pflichten zwischen den Parteien hängt die Wahl der geeigneten Klausel auch vom gewählten Transportmittel, den zu befördernden Waren und den Interessen im Einzelfall ab.

  • Wie werden Incoterms® 2020 wirksam in ein Liefergeschäft einbezogen?

Incoterms®-Klauseln werden nicht automatisch Gegenstand eines Vertrages, sondern nur dann, wenn sich Verkäufer und Käufer ausdrücklich auf die Einbindung einer Incoterms®-Klausel einigen.

  • Können die Incoterms®-Regeln auch für nationale Liefergeschäften vereinbart werden?

Ursprünglich wurden die Incoterms®-Regeln dafür konzipiert, den Handel über nationale Grenzen hinweg zu regeln; entsprechend auch die Bezeichnung 'INternational COmmercial TERMS'. In den letzten Jahren werden Incoterms®-Klauseln zunehmend auch in europäischen und nationalen Kaufverträgen vereinbart. Diese Entwicklung wird von der ICC ausdrücklich begrüßt.

  • Können die Incoterms®-Regeln abgewandelt/modifiziert werden? 

Die Regelungsinhalte zu den einzelnen Incoterms®-Klauseln sind nicht zwingend und können durch vertragliche Änderungen modifiziert werden. Tatsache ist jedoch, dass bei jeder Änderung einer Incoterms®-Klausel der eigentliche Wert der Klausel - der durch die weltweit anerkannten Incoterms®-Regeln festgelegte Standard - eingeschränkt wird bzw. ganz verloren gehen kann. Modifikationen jeglicher Art müssen entsprechend unmissverständlich und eindeutig formuliert werden. Daher empfiehlt es sich, Abänderungen immer erst nach kompetenter Rechtsberatung vorzunehmen.

  • Warum wurde die FCA-Incoterms®-Regel überarbeitet?

Frei Frachtführer// Free Carrier (FCA) wurde für die Incoterms® 2020 revidiert, um einer Situation Rechnung zu tragen, in der Waren zur Beförderung auf See verkauft werden und der Käufer oder Verkäufer (oder die Bank einer der beiden Parteien) ein Bordkonossement verlangt. Käufer und Verkäufer können sich darauf einigen, dass der Käufer seinen Frachtführer anweist, dem Verkäufer ein Bordkonossement nach der Verladung der Ware auszustellen, zu welchem Zeitpunkt der Verkäufer verpflichtet ist, dem Käufer das Bordkonossement (typischerweise über die Banken) zu übergeben.

  • Wo sind die Kosten in den Incoterms® 2020 aufgeführt?

Innerhalb der Incoterms® 2020 erscheinen nun alle Kosten, die mit einer bestimmten Incoterms®-Regel verbunden sind, in Artikel A9/B9. Zusätzlich erscheinen die mit jedem Artikel verbundenen Kosten - z.B. Transportkosten (Artikel A4/B4) oder Ausfuhr-/Einfuhrabfertigungskosten (Incoterms® 2020 Artikel A7/B7) - weiterhin separat, um bestimmte Aspekte der Verkaufstransaktion abzugrenzen.

  • Wie hoch ist der Versicherungsschutz bei Incoterms® 2020-Regel CIF und CIP?

Die Incoterms® 2020 sehen verschiedene Deckungshöhen des Versicherungsschutzes in der Kosten, Versicherung und Fracht // Cost, Insurance and Freight (CIF) -Regel und Frachtfrei versichert // Carriage and Insurance Paid To (CIP) -Regel vor.

Unter der CIF, die vorwiegend im Seegüterhandel Anwendung findet, wird die Incoterms® 2020 Regelung mit den Klauseln (C) der Institute Cargo Clauses als Standarddeckung beibehalten, obgleich die Parteien einen höheren Versicherungsschutz vereinbaren können. CIP fordert nun ein höheres Deckungsniveau, welches mit der Institute Cargo Clauses (A) übereinstimmt.

  • Ist die Vereinbarung des Lieferorts bei der Verwendung von Incoterms® 2020 C-Klauseln notwendig?

In den Incoterms® 2020 C-Klauseln selbst wird lediglich der Bestimmungsort vereinbart, also der Ort bis zu dem der vom Verkäufer abzuschließende Beförderungsvertrag gilt. Sollte zusätzlich der Lieferort der Ware (Ort des Gefahrenübergangs) von den Parteien vereinbart werden wollen, muss dies in einem Zusatz zur Incoterms® 2020 Klausel und nicht in der Klausel selbst erfolgen. Zu einer solchen Zusatzvereinbarung wird generell, aber vor allem beim multimedialen Transport geraten, denn hier liegt ein gewisses Missbrauchsrisiko. Es liegt geradezu im Belieben des Verkäufers selbst festzulegen, ab welchen Punkt das Transportgut auf den ersten Frachtführer übergeht und damit zugleich der Gefahrübergang stattfindet.

  • Berücksichtigen die Incoterms® 2020 lediglich den Transporten über einen Drittbeförderer?

Die Incoterms® 2020 erkennen an, dass nicht alle kommerziellen Handelstransaktionen vom Verkäufer zum Käufer über einen Drittbeförderer durchgeführt werden. In einigen Fällen müssen Transporte lediglich organisiert werden, z.B. wenn der Verkäufer seine eigenen Transportmittel benutzt oder der Käufer sein eigenes Fahrzeug zur Abholung der Waren besitzt. Nunmehr ist bei Incoterms® 2020 FCA, DAP, DPU und DDP ausdrücklich die Option vorgesehen, den Transport mit eigenen Mitteln zu organisieren.

  • Gibt es eine Incoterms® 2020 Übersichtsliste, aus der länderspezifische Transportversicherungsanforderungen zu entnehmen sind?

Nein, da sich die gesetzlichen Vorgaben und restriktiven Maßnahmen eines jeden Landes weltweit täglich unerwartet ändern können. Daher bedarf es täglicher Überprüfung, welche Anforderungen erfüllt werden müssen.

  • Wo sind im Incoterms® 2020-Regelwerk die Informationen über sicherheitsrelevante Anforderungen zu finden?

In den Incoterms® 2020-Artikeln A4 zum Transport und A7 zur Ausfuhr-/Einfuhrabfertigung sind detailliertere sicherheitsbezogene Verpflichtungen zu finden.

  • Warum werden die Kosten für die transportbezogenen Sicherheitsanforderungen nur für die Incoterms® 2020 C-Klauseln gesondert in A9 aufgeführt?

Bei den Incoterms® 2020 C-Klauseln handelt es sich um sog. Zweipunktklauseln, d.h. Lieferort und Bestimmungsort sind nicht identisch. Die Verpflichtung zum Abschluss des Beförderungsvertrags bezieht sich auf die Teilstrecke vom Lieferort bis zum Bestimmungsort. Bei den Incoterms® 2020 C-Klauseln ist es daher erforderlich, die transportbedingten Sicherheitsanforderungen ausdrücklich zu regeln. Bei den Incoterms® 2020 F- und D-Klauseln ist hingegen die Pflicht der Lieferung bis zum Lieferort/Bestimmungsort so klar, so dass diese Pflichten nicht gesondert aufgeführt werden müssen. Die Kosten "bis zur Lieferung" umfassen automatisch die Kosten für die transportbedingten Sicherheitsanforderungen.

  • Welche Partei trägt die Kosten, wenn die Ware transportbedingt verspätet beim Käufer eintrifft?

Generell geben die Incoterms® keine Auskunft über den Lieferzeitpunkt. Dieser muss im Kaufvertrag gesondert vereinbart werden. Grundsätzlich bezieht sich der vereinbarte Zeitpunkt sodann auf den Gefahrübergang. Wenn der Verkäufer z.B. durch die Vereinbarung einer Incoterms® 2020 C-Klausel für die Kosten des Transports bis zur Ankunft beim Käufer aufkommt, so ist er grundsätzlich nicht für eine verspätete Ankunft der Ware an diesem Ort verantwortlich. Er schuldet lediglich eine termingerechte Übergabe bis dorthin, wo der Käufer die Gefahr übernimmt, also bis sich die Ware an Bord des Schiffs befindet. Sollte bei den Incoterms® 2020 C-Klauseln ein Ankunftsdatum vereinbart worden sein, ist dies entsprechend zu kennzeichnen. Es kommt also letztendlich auf die vertraglichen Verpflichtungen im Einzelfall an.

  • Was bedeutet die neue Incoterms®-Regel DPU?

Geliefert benannter Ort entladen // Delivered at Place Unloaded (DPU) ist die Neufassung der Regel Geliefert ab Terminal // Delivered at Terminal (DAT) aus den Incoterms®2010. Hintergrund der Änderung lag darin zu betonen, dass der Bestimmungsort jeder beliebige Ort und nicht nur ein "Terminal" sein kann. Im Unterscheid zu Incoterms®-Regel DAP Geliefert benannter Ort // Delivered at Place ist zu unterstreichen, dass unter DAP der Verkäufer die Ware nicht entlädt, unter DPU den Verkäufer die Entladepflicht trifft.

  • Regeln die Incoterms® den Eigentumsübergang?

Nein, der Eigentumsübergang wird nicht durch die Incoterms® geregelt und ist nicht mit dem Gefahrenübergang, der durch die Incoterms® bestimmt wird, gleichzusetzen. Sollten keine expliziten Regelungen zu den Eigentumsverhältnissen im Kaufvertrag zwischen den Parteien getroffen worden sein, richten sich diese nach den gesetzlichen Bestimmungen des jeweils geltenden Rechts. Dafür ist das Recht des Landes zu beachten, in dem sich die Ware befindet.

  • Beispielsfall Incoterms® FCA: Was passiert, wenn der Verkäufer nicht liefern kann, weil der Käufer seiner Informationspflicht nicht nachkommt und keinen Frachtführer benennt? Welche Auswirkung hat dies auf den Gefahrenübergang?

Wenn der Verkäufer an den Frachtführer liefern soll und eine konkrete Benennung der Empfangsperson nicht im Kaufvertrag vorgenommen wurde und der Käufer dem Verkäufer nicht mitteilt, wer die Lieferung empfangen soll, kann der Verkäufer nicht liefern. Dem Verkäufer kann nicht zugemutet werden, möglicherweise an die falsche Person zu liefern. Ansprüche des Käufers wegen nicht rechtzeitiger Lieferung sind sodann nicht rechtlich durchsetzbar. Der Käufer hat entsprechend die ihm obliegende Benachrichtigungspflicht (siehe B10- S. 45 Incoterms®2020) verletzt. Daher wird stets empfohlen, bei Abschluss des Kaufvertrags festzulegen, mit welchem zeitlichen Vorlauf vor dem Liefertermin die Empfangsperson von dem Käufer zu benennen ist sowie die Konsequenzen für den Fall des Ausbleibens zu vereinbaren. Die Incoterms® sehen entsprechend dem deutschen und UN-Kaufrecht den Gefahrübergang als Folge der Lieferung der Ware. Die Folgen hinsichtlich des Gefahrenübergangs, wenn der Verkäufer aufgrund des Verschuldens des Käufers nicht liefern kann, sind in B3 - S. 41 Incoterms® 2020 festgelegt. Ziel dieser Incoterms® Regelung ist es, den Verkäufer zu entlasten, wenn der Käufer nicht rechtzeitig dem Empfänger benennt.

  • Inwiefern wird den Nutzern der Umgang mit dem neuen Regelwerk Incoterms® 2020 erleichtert?

Die neueste Ausgabe des Incoterms®-Regelwerks ist trotz des deutlich höheren Umfangs von rund 150 Seiten mehr zugänglicher und einfacher in der Verwendung als noch die 2010er Version.

Konkret bedeutet dies, dass neben einer detaillierten Einleitung zum Regelwerk erläuternde Kommentare zu jeder Incoterms®-Klausel Aufschluss darüber geben, worauf man bei der Anwendung achten sollte. Verbesserte Grafiken und aktualisierte Tipps zur Nutzung helfen bei der genauen Interpretation der Incoterms®-Regeln, um kostspielige Fehlinterpretationen oder falsche Anwendungen zu vermeiden.

Zum ersten Mal enthält eine Incoterms®-Version eine artikelweise Präsentation der Klauseln. Dadurch ermöglicht die Version die Vergleichbarkeit der Klauseln auf einen Blick. Der Nutzer erkennt dadurch direkt, wo zum Beispiel das Risiko für die Waren in jeder der elf Incoterms®-Klauseln vom Verkäufer auf den Käufer übergeht.

Weitere Hinweise

Vorsicht vor nicht vertrauenswürdigen Incoterms® Quellen

Es gibt eine beträchtliche Menge irreführender Informationen über die Incoterms® im Internet. Sofern Materialien zu den Incoterms® nicht von der ICC bezogen werden und auch nicht eindeutig durch die Internationale Handelskammer lizenziert worden sind, sollte sich jeder Nutzer der Existenz unvollständiger, ungenauer und inoffizieller Informationen bewusst sein.

Das Regelwerk der Incoterms® ist einschließlich aller seiner Teile urheberrechtlich geschützt. Inhaberin der Urheberrechte an der deutschsprachigen Version ist ICC Germany e.V. und an der englischsprachigen Version der Incoterms® die ICC Zentrale in Paris (ICCWBO). Sofern nicht gesetzlich zulässig, ist jede Vervielfältigung, Verbreitung, Übermittlung, Übersetzung oder Anpassung des Regelwerks, auch auszugsweise, ohne schriftliche Einwilligung der ICC untersagt. Zudem ist der Begriff "Incoterms®" eine eingetragene Marke der ICC. Die Regelungen zur ordnungsgemäßen Verwendung dieser Marke finden Sie unter https://iccwbo.org/incoterms-copyright/.

Ihre Fragen an die Internationale Handelskammer

Sehr geehrte Damen und Herren,

bitte beachten Sie, dass die Internationale Handelskammer (ICC) als Herausgeberin der Incoterms® nur allgemeine Fragen im Zusammenhang mit dieser Publikation beantworten kann. Rechtsfragen sowie Anfragen bzgl. Ihrer Handelstransaktion, stellen Sie bitte an einen Rechtsbeistand Ihrer Wahl. Diese Anfragen werden seitens der Handelskammer nicht beantwortet.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Ansprechpartner

Hartmann Henriette

Marketing Manager

Fon: +49 (0) 30 - 200 7363 60

henriette.hartmann@iccgermany.de

Warum Incoterms®?

Platzhalter Starte Video