Die von Forschern der Universität Edinburgh, der Universität Aberdeen und des Scotland’s Rural College durchgeführte Studie untersucht, wie sich starke und länger anhaltende Preissteigerungen bei Energie, Düngemitteln, Transport und weiteren landwirtschaftlichen Betriebsmitteln auf das globale Ernährungssystem auswirken könnten. Ausgangspunkt ist die Krise um die Straße von Hormus, einen zentralen Transportkorridor für Energie und Düngemittel, deren Auswirkungen weit über die unmittelbare Konfliktregion hinausreichen können.
Besonders stark betroffen wären die Menschen in Ostasien, im Pazifikraum und in Subsahara-Afrika, wo die Lebensmittelpreise insbesondere infolge höherer Energie- und Düngemittelkosten um nahezu 70 Prozent steigen könnten. Im schwerwiegendsten Szenario würde der Einsatz von Stickstoffdüngern um rund 37 Prozent zurückgehen und die Produktivität im Getreideanbau um bis zu 10 Prozent sinken. Die Folgen träfen vor allem einkommensschwache Haushalte. Rund 80 Prozent der zusätzlichen Todesfälle und mehr als 90 Prozent der zusätzlichen Fälle von Untergewicht würden im ungünstigsten Szenario in diesen Regionen auftreten.
Oliver Wieck, Generalsekretär der ICC Germany, erklärt:
„Die Studie zeigt, wie eng globale Handelsströme, Energieversorgung und Ernährungssicherheit miteinander verbunden sind. Langanhaltende Störungen wichtiger Handelsrouten können weitreichende Folgen haben – insbesondere für Länder, die stark von Energie- und Düngemittelimporten abhängig sind. Offene und verlässliche Handelswege sowie internationale Zusammenarbeit sind deshalb entscheidend, um Lieferketten widerstandsfähiger zu machen und die Versorgung mit essenziellen Gütern zu sichern.“
Auch eine schrittweise Erholung würde die Folgen nicht sofort beseitigen. In Szenarien, in denen die Preise nach fünf Jahren wieder auf das Ausgangsniveau zurückkehren, könnten bis 2030 7 bis 16 Millionen zusätzliche Menschen von Untergewicht betroffen sein.
Die ICC ruft daher Politik und Wirtschaft zu koordinierten Maßnahmen auf, um den sicheren und planbaren Transport von Düngemitteln und wichtigen landwirtschaftlichen Betriebsmitteln sicherzustellen und besonders gefährdete, importabhängige Volkswirtschaften zu unterstützen.
Hinweise für Redaktionen
Die Studie Geopolitical fertiliser and energy shocks threaten dietary health in vulnerable populations wurde von der ICC in Auftrag gegeben und finanziert. Es handelt sich um ein noch nicht wissenschaftlich begutachtetes (Peer Review) und nicht in einer Fachzeitschrift veröffentlichtes Forschungsmanuskript. Die Ergebnisse sind daher vorläufig.
Die Studie untersucht modellierte Kostenschocks bei Düngemitteln, Energie, Transport und weiteren landwirtschaftlichen Betriebsmitteln. Die untersuchten Szenarien stellen keine Prognosen tatsächlicher Entwicklungen dar. Für Studiendesign, Analyse, Interpretation und Schlussfolgerungen sind allein die Autoren verantwortlich.