Insgesamt wurden 36 Schiffe geentert, acht entführt, vier beschossen und drei Enterungsversuche gemeldet. In 86 Prozent der Fälle gelang es den Tätern, an Bord zu gelangen. 105 Besatzungsmitglieder waren direkt betroffen, gegenüber 72 im Vorjahreszeitraum. In 53 Prozent der Vorfälle kamen Waffen zum Einsatz.
Piraterie vor Somalia bleibt ein Risiko
Somalische Piraten waren in den ersten neun Monaten des Jahres für acht Schiffsentführungen und 94 Prozent aller weltweit als Geiseln genommenen Besatzungsmitglieder verantwortlich. Die meisten der entführten Schiffe wurden mit ihren Besatzungen zwischen wieder freigegeben.
Die Vorfälle verdeutlichen, dass die Gefahr weiterhin anhält. Ende September berichteten die Behörden in Puntland, dass fünf Besatzungsmitglieder getötet und fünf weitere verletzt worden waren, bevor der unter der Flagge von Palau fahrende Produkttanker Honour 25 wieder freigegeben wurde. Das Schiff war am 21. April 2026 entführt worden. Zugleich konnten zahlreiche Schiffe, die die aktuellen Empfehlungen der Best Management Practices (BMP) umgesetzt hatten, Entführungen erfolgreich verhindern.
Rückgang in wichtigen Schifffahrtsregionen
Im Golf von Guinea wurden von Januar bis September lediglich zwei Vorfälle gemeldet. Auch in der Straße von Singapur ging die Zahl deutlich zurück, von 73 Vorfällen im Vorjahr auf 13 in diesem Jahr. Dennoch bleibt die Lage angespannt. Bei mehr rd. 70 Prozent der Vorfälle gelangten die Täter mit Schusswaffen oder Messern bewaffnet an Bord der angegriffenen Schiffe.
Im indonesischen Archipel wurden sechs Vorfälle registriert, gegenüber neun im Vorjahreszeitraum. Auf den Philippinen wurden neun vor Anker liegende Schiffe geentert; im Vorjahr waren dort keine Vorfälle gemeldet worden.
Oliver Wieck, Generalsekretär von ICC Germany, erklärt dazu:
„Sichere Seewege sind eine Grundvoraussetzung für den internationalen Handel. Der Rückgang der gemeldeten Vorfälle ist ein positives Signal, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Seeleute und Schiffe weiterhin gefährdet sind. Entscheidend bleiben die Zusammenarbeit der zuständigen Behörden, wirksame Schutzmaßnahmen und die zeitnahe Meldung von Vorfällen.“
Das 1991 gegründete IMB Piracy Reporting Centre ist rund um die Uhr erreichbar, um Piraterie und bewaffnete Überfälle zu erfassen und bedrohte Schiffe zu unterstützen. Das IMB ruft Reeder und Kapitäne dazu auf, sämtliche Vorfälle zu melden, damit Behörden gezielt reagieren und die erforderlichen Schutzmaßnahmen ergreifen können.
Den vollständigen Bericht für Januar bis September 2026 finden Sie hier.
Über das IMB Piracy Reporting Centre
Das Piracy Reporting Centre (PRC) des International Maritime Bureau (IMB) ist seit seiner Gründung im Jahr 1991 die zentrale, rund um die Uhr erreichbare Meldestelle für Piraterievorfälle weltweit. Es unterstützt bedrohte Schiffe, koordiniert die Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden und informiert die Schifffahrt durch Warnmeldungen und E-Mail-Benachrichtigungen. Diese Maßnahmen tragen maßgeblich zur Sicherheit auf See bei. Darüber hinaus liefern die vom PRC erhobenen Daten wichtige Erkenntnisse über Umfang und Entwicklung der modernen Piraterie.
Das IMB ruft Kapitäne und Reedereien dazu auf, alle tatsächlichen, versuchten oder vermuteten Fälle von Piraterie und bewaffneten Überfällen auf Schiffe an das Piracy Reporting Centre zu melden. Eine umfassende Berichterstattung ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die zuständigen Behörden angemessene Ressourcen zur Bekämpfung der Seepiraterie bereitstellen können.