Wieso hat die UN Ende 2016 gerade der ICC den offiziellen Beobachterstatus verliehen?

Gesucht war eine vertrauenswürdige Stimme der globalen Wirtschaft. Sie sollte in zwischenstaatlichen Diskussionen über Themen mit Wirtschaftsbezug wie Welthandel, Klimaschutz, Korruptionsbekämpfung, Unternehmenssteuern oder nachhaltige Entwicklung das Wort ergreifen können. Die Verabschiedung der UN-Nachhaltigkeitsziele im Jahre 2015 verdeutlichte, dass die großen Herausforderungen der Staatengemeinschaft nicht ohne die Wirtschaft gelöst werden können. Dass die Wahl auf die ICC fiel, liegt an ihrer einzigartigen Struktur als globale Organisation mit Sitz in Paris und nationalen Komitees in mehr als 90 Ländern und der ICC World Chambers Federation, dem Zusammenschluss der Handelskammern aus allen Teilen der Welt. Das macht sie zur einzigen global repräsentativen Wirtschaftsorganisation.

Bei der UN repräsentiert die ICC die „Wirtschaft“. Welchen Teil der Weltwirtschaft vertreten Sie?

ICC repräsentiert die länder- und branchenübergreifend sowohl große als auch kleine Unternehmen aus allen Sektoren und Staaten der Welt. Das ist sicherlich eine anspruchsvolle Aufgabe. Die ICC hat sich den Ruf erarbeitet, ein qualitativ hochwertiger, vertrauenswürdiger Partner der Wirtschaft zu sein. Wir engagieren uns nur bei Themen, wenn wir einen echten Mehrwert in die laufenden Verhandlungen oder Diskussionen einbringen können. Dabei arbeiten wir natürlich auch mit anderen Partnern zusammen, um unsere Kräfte zu bündeln.

Was verspricht sich die UN von der Beteiligung der ICC?

Oft werden wir gefragt, die Sicht der Privatwirtschaft zu aktuellen Themen zu geben, die in den Gremien der UN diskutiert werden. Die UN erwartet von uns, dass wir den Privatsektor in verschiedene Initiativen und Projekte der UN einbinden und seine Beteiligung sicherstellen.  Darüber hinaus sind wir gebeten worden, als Mitveranstalter das SDG Business Forums, die größte UN-Konferenz des Privatsektors während der UN-Generalversammlung, zu organisieren. Im Zuge der COVID-19 Pandemie sind wir zudem globale Partnerschaften eingegangen mit der Weltgesundheitsorganisation, mit UNICEF und dem UN-Entwicklungsprogramm.

Wie sind Sie bei der UN-Beobachtermission der ICC personell aufgestellt?

Zu Beginn der COVID-19-Krise hat die ICC eine strategische Entscheidung getroffen: ihre Funktionen für Politik und Außenbeziehungen wurden gestrafft, um schneller agieren zu können. Aus dem Grund bin ich sowohl unser Ständiger Beobachter bei den Vereinten Nationen als auch Leiter des globalen ICC-Teams für Politik und externe Angelegenheiten mit mehr als 40 Mitarbeitern in fünf Büros – New York, Genf, Brüssel, Singapur, Paris. In dieser Funktion verantworte ich die globale inhaltliche Ausrichtung der ICC im Policy Bereich mit Hinblick auf die Entwicklung von Inhalten bis zur Zusammenarbeit mit wichtigen Institutionen wie Vereinten Nationen, G20 und Welthandelsorganisation.

Dürfen Sie als Ständiger Beobachter in jeder Debatte mitreden?

Obwohl wir grundsätzlich ein ständiges Recht haben, an den Sitzungen der UN-Generalversammlung teilzunehmen, erhält die ICC weiterhin Einladungen zur aktiven Teilnahme an den meisten hochrangigen UN-Veranstaltungen. Jenseits dieser öffentlichen Auftritte sind wir häufig hinter den Kulissen präsent. Wir diskutieren Themen und unterstützen Regierungen auch bei der Auswahl von Mitgliedern des ICC-Netzwerks für Rednerrollen, die dem privaten Sektor zugeteilt werden.