Wie die Internationale Handelskammer (ICC) Mitte Juni 2024 bekanntgab, registrierte sie im Jahr 2023 890 Schiedsverfahren. Damit zeichnet sich ein deutlicher Anstieg an Fällen im Vergleich zum Vorjahr ab (710). Zum Jahresende 2023 belief sich die Gesamtzahl der anhängigen Fälle, die von den Büros des Sekretariats des ICC-Schiedsgerichtshofs in Paris, Hongkong, New York, Sao Paulo, Singapur und Abu Dhabi administriert werden, auf 1.766.

ICC Germany-Generalsekretär Oliver Wieck kommentierte: „Die zunehmende Zahl an Fällen, die an die ICC herangetragen werden, zeigen vor allen Dingen eines: Die ICC als Institution genießt Vertrauen und baut ihre Vorreiterrolle im Bereich der Schiedsgerichtsbarkeit und der alternativen Streitbeilegung weiter aus – und zwar weltweit und über Branchen hinweg.“

Die Zahlen im Überblick

Regionale Verteilung

In 2023 kamen die Parteien aus insgesamt 141 Ländern mit dem Schwerpunkt Europa (40 %), gefolgt von Asien und dem pazifischen Raum (25 %), Lateinamerika (14 %), Nordamerika (13 %) und Afrika (8 %). Ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Vorjahr war bei der Zahl der Parteien aus Mittel- und Osteuropa (277 Parteien gegenüber 188), Nordamerika (308 gegenüber 207) und dem Nahen Osten (288 gegenüber 198) zu verzeichnen. Die fünf wichtigsten Sitzländer für Schiedsverfahren waren Frankreich, Großbritannien, die Schweiz, die Vereinigten Staaten und Brasilien.

Streitwerte

Der durchschnittliche Streitwert aller 2023 eingereichten Fälle betrug 65 Mio. USD. Bei allen anhängigen Fällen lag der durchschnittliche Streitwert bei 150 Mio. USD.

Diversität

Die vorläufige Daten zeigen einen Anstieg der Zahl an weiblichen Schiedsrichterinnen: So wurden 269 Frauen auf Vorschlag von Parteien oder Mitschiedsrichter:innen bestätigt oder vom ICC Court ernannt, was fast 30 % aller Ernennungen und Bestätigungen ausmacht.

„Emergency Arbitration“

Insgesamt wurden 28 Eilanträge von Parteien aus 33 Ländern eingereicht, wobei über 40 % der Anträge mehrere Parteien betrafen, 25 % Staaten und staatliche Einrichtungen und 25 % Parteien derselben Staatsangehörigkeit. Diese Zahlen unterstreichen die entscheidende Rolle der „Emergency Arbitration“ (EA) bei der Schaffung eines Zugangs zur Streitbeilegung, wenn dieser am dringendsten benötigt wird.

Beschleunigtes Verfahren

Im Jahr 2023 wurden zudem 189 neue Fälle im Rahmen eines beschleunigten Verfahrens bearbeitet, was einen neuen Rekord darstellt. Seit der Einführung des Verfahrens im Jahr 2017 hat der ICC-Schiedsgerichtshof insgesamt 713 Fälle im Rahmen des „Expedited Procedure Provisions“ (EPP) bearbeitet.

Weitere Verfahren

Neben dem Schiedsverfahren bietet die ICC eine Reihe von alternativen Streitbeilegungsmechanismen an, die vom ICC International Center for ADR verwaltet werden. Letztes Jahr verzeichnete das Center 75 Anträge. Davon wurden 37 unter den ICC Rules of Mediation, 30 nach den Gutachterverfahren, drei nach den Dispute Board Rules und fünf nach den Documentary Credits (DOCDEX) Rules registriert.

Update 24. Juni 2024

Der vollständige und inzwischen finale Bericht über die ICC-Streitbeilegungsstatistik 2023 kann hier abgerufen werden.

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Ansprechpartner
Dr. Birte Grages

Tel. +49 (0) 30 - 200 7363 20

Birte.Grages@iccgermany.de