Von Januar bis Juni 2026 wurden weltweit 38 Vorfälle registriert. Im Vergleichszeitraum 2025 waren es noch 90, im Jahr 2024 insgesamt 60. Erfasst wurden 27 Enterungen, fünf Schiffsentführungen, drei Angriffe mit Schusswaffen sowie drei versuchte Überfälle. Dabei wurden 67 Besatzungsmitglieder als Geiseln genommen, zwei bedroht und eine Person verletzt.
„Der historische Rückgang der Piraterievorfälle ist ein Erfolg der engen Zusammenarbeit von Staaten, Strafverfolgungsbehörden und der maritimen Wirtschaft“, erklärt Oliver Wieck, Generalsekretär von ICC Germany. „Er darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bedrohung weiterhin besteht. Die jüngsten Vorfälle vor Somalia zeigen, dass internationale Präsenz, konsequente Sicherheitsmaßnahmen und anhaltende Wachsamkeit weiterhin unverzichtbar sind.“
Somalische Piraterie bleibt eine Bedrohung
Besondere Sorge bereitet dem IMB die Entwicklung vor Somalia. Zwischen April und Mai wurden dort vier Schiffe entführt, weitere Angriffe und Annäherungsversuche folgten im Juni. Nach Angaben des IMB gingen 94 Prozent aller Geiselnahmen im ersten Halbjahr auf das Konto somalischer Piraten. Dies verdeutlicht, dass sie weiterhin in der Lage sind, unterschiedlichste Schiffstypen anzugreifen. Das IMB und die ICC appellieren daher an die internationalen Marineeinsätze, ihre Präsenz in der Region aufrechtzuerhalten, um eine erneute Eskalation zu verhindern.
Positive Entwicklungen im Golf von Guinea und in der Straße von Singapur
Im Golf von Guinea wurden im ersten Halbjahr lediglich zwei Vorfälle gemeldet. Das IMB würdigt die Fortschritte der Küstenstaaten und ihrer regionalen Partner bei der Verbesserung der maritimen Sicherheit, betont jedoch die Notwendigkeit weiterer gemeinsamer Maßnahmen und Patrouillen.
Auch in der Straße von Singapur ging die Zahl der Vorfälle zurück. Zwischen Januar und Juni wurden dort vier Schiffe geentert. Angesichts der Bedeutung dieser Schifffahrtsroute für den Welthandel fordert das IMB weiterhin eine enge Zusammenarbeit der Anrainerstaaten, um die Sicherheit auf einer der wichtigsten Handelsrouten der Welt dauerhaft zu gewährleisten.
Mehr Vorfälle vor Manila
Anders stellt sich die Lage vor dem Ankerplatz von Manila dar. Dort wurden im ersten Halbjahr acht Vorfälle registriert – nach keinem einzigen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Allein im Juni wurden drei Schiffe von bewaffneten Tätern geentert. Das IMB ruft Schiffsführer daher zu besonderer Vorsicht in diesem Gebiet auf.
Über das IMB Piracy Reporting Centre
Das Piracy Reporting Centre (PRC) des International Maritime Bureau (IMB) ist seit seiner Gründung im Jahr 1991 die zentrale, rund um die Uhr erreichbare Meldestelle für Piraterievorfälle weltweit. Es unterstützt bedrohte Schiffe, koordiniert die Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden und informiert die Schifffahrt durch Warnmeldungen und E-Mail-Benachrichtigungen. Diese Maßnahmen tragen maßgeblich zur Sicherheit auf See bei. Darüber hinaus liefern die vom PRC erhobenen Daten wichtige Erkenntnisse über Umfang und Entwicklung der modernen Piraterie.
Das IMB ruft Kapitäne und Reedereien dazu auf, alle tatsächlichen, versuchten oder vermuteten Fälle von Piraterie und bewaffneten Überfällen auf Schiffe an das Piracy Reporting Centre zu melden. Eine umfassende Berichterstattung ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die zuständigen Behörden angemessene Ressourcen zur Bekämpfung der Seepiraterie bereitstellen können.
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