Geschichte

Die internationale Handelskammer (International Chamber of Commerce - ICC) wurde im Jahr 1919, ein Jahr nach Ende des 1. Weltkrieges, durch eine Gruppe von Unternehmern, Kaufleuten und Finanziers in Paris gegründet. Vorausgegangen war ein Treffen von Wirtschaftsdelegationen aus Großbritannien, Frankreich, Italien und Belgien auf Einladung der US Chamber of Commerce in Atlantic City. Die Gründungsidee der "Kaufleute des Friedens" (Merchants of Peace), wie sie sich selbst nannten, war wirtschaftliches Wachstum und Prosperität. Verbunden war dies mit der Erkenntnis, dass Völker, die verstärkt miteinander Handel treiben, weniger Kriege führen. Gemeinsame Ziele waren die Liberalisierung des internationalen Handels und das Streben nach einheitlichen rechtlichen und technischen Standards.

Gründung des deutschen Nationalkomitees

Schon bald erkannten die führenden Vertreter der ICC, dass der Wiederaufbau der internationalen Wirtschaftsbeziehungen ohne Einbeziehung Deutschlands nur unvollständig gelingen konnte. So kam es im Jahr 1925 zur Gründung des deutschen Nationalkomitees. 

Erster Präsident der "Deutschen Gruppe der Internationalen Handelskammer" wurde Franz von Mendelssohn, der gleichzeitig dem Deutschen Industrie- und Handelstag vorstand. Die zunehmende Bedeutung des deutschen Nationalkomitees zeigte die Wahl des deutschen Industriellen Abraham Frowein zum Weltpräsidenten 1931. Zentrales Anliegen Froweins war der Abbau von Handelshemmnissen, den er zum zentralen Thema des ersten Weltkongresses der ICC in Deutschland im Jahre 1937 in Berlin machte. Frowein wurde wenig später durch die Nationalsozialisten zum Rücktritt als Präsident der Deutschen Gruppe gezwungen. Die staatliche Einsetzung eines neuen Präsidenten konnte durch die Wahl des Unternehmers und Präsidiumsmitgliedes der deutschen Gruppe, Karl Lindemann, abgewendet werden. Während des Zweiten Weltkrieges beschränkte sich das deutsche Nationalkomitee vor allem auf technisch-praktische Fragen, im Jahr 1944 wurde es von der ICC-Zentrale suspendiert.

Nach dem Krieg wirkte das hohe Ansehen der Internationalen Handelskammer bei den Alliierten wie ein Codewort und das deutsche Nationalkomitee entging - im Gegensatz zu anderen Organisationen der deutschen Wirtschaft - der Auflösung durch die Militärregierung.  Abraham Frowein wurde wieder zum Präsidenten der Deutschen Gruppe gewählt, gleichzeitig beauftragte man ihn mit der Leitung des deutschen Wirtschaftsrates in der britischen Besatzungszone. Weitere hochrangige Mitglieder der Deutschen Gruppe nahmen in den ersten Nachkriegsjahren wichtige Positionen beim wirtschaftlichen Wiederaufbau ein.

Im November 1948 konnte die Deutsche Gruppe ihre Arbeit in der ICC wieder aufnehmen und trug in der Folgezeit wesentlich zur Gestaltung der Rahmenbedingungen des zunehmenden internationalen Handels bei. In den 60er Jahren war Otto Wolff von Amerongen † Präsident und anschließend langjähriger Ehrenpräsident des deutschen Nationalkomitees.

In ihrer langen Geschichte hat die Internationale Handelskammer immer wieder Maßstäbe gesetzt und neue Entwicklungen aufgegriffen. Einige ausgewählte Beispiele: 

  • 1933   Veröffentlichung der ersten "Einheitlichen Richtlinien und Gebräuche für Dokumenten-Akkredtive (ERA). Inzwischen mehrmals überarbeitet, bieten sie bis heute die Grundlage für eine sichere Abwicklung des Zahlungsverkehrs im Außenhandel.

  • 1936   Veröffentlichung der ersten Incoterms®-Klauseln. Diese zurzeit elf Klauseln legen in Handelsverträgen verbindlich die gegenseitigen Rechte und Pflichten der Vertragsparteien bei der Lieferung der Ware fest. Seit ihrer ersten Veröffentlichung wurden sie mehrfach überarbeitet, zuletzt im Jahre 2010.

  • 1937   Veröffentlichung des ersten Marketing- und Werbekodex. Der Kodex ist heute in seiner inzwischen 8. Version als Instrument der Selbstregulierung der Werbewirtschaft anerkannt und Grundlage vieler nationaler Regelwerke bzw. Referenztext internationaler Regierungsorganisationen. 

  • 1977   Erstmalige Veröffentlichung von Richtlinien einer Wirtschaftsorganisation zu Korruption und Bestechung mit klaren Handlungsanweisungen für Unternehmen.

  • 1991   verpflichteten sich zahlreiche Unternehmen, die ICC-Charta für eine langfristig tragfähige Entwicklung und Grundsätze eines Umweltmanagements zu befolgen. Die letzte Anpassung erfolgte im Jahr 2015.

  • 1999   war die ICC maßgeblich an der Gründung des UN Global Compact beteiligt, einem internationalen Netzwerk der Wirtschaft für eine nachhaltige Globalisierung.

  • 2004   entsteht auf Initiative der ICC die internationale Initiative BASCAP (Business Action to Stop Counterfeiting and Piracy) mit dem Ziel, die internationale Wirtschaft im Kampf gegen Produkt- und Markenpiraterie besser zu vernetzen

  • 2010  Gründung der ICC G20 Advisory Group zur Begleitung der Business 20 (B20) als fester Bestandteil des G20-Prozesses.

  • 2015 Auch bei der Erarbeitung der UN Agenda 2030 mit ihren 17 Nachhaltigkeitszielen (SDGs) wirkte die ICC aktiv mit und unterstützt die Umsetzung der Agenda 2030 in der Wirtschaft.

     

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